Krise des deutschen Wirtschaftsstandorts: „Das ist nicht der Untergang Deutschlands.“
Schon öfter wurde der wirtschaftliche Niedergang Deutschlands
vorhergesagt. »Der Abstieg eines Superstars«, »Systemversagen: Aufstieg
und Fall einer großartigen Wirtschaftsnation«, »Kaputt: Das Ende des
deutschen Wirtschaftswunders« – so und so ähnlich lauteten die Titel
diverser Bücher, die eins gemeinsam hatten: Der prognostizierte
Untergang blieb aus. Dieser Tage macht sich erneut Doomsday-Stimmung
breit: VW will 100.000 Mitarbeiter entlassen, der Standort schwächelt,
Bürokratie, hohe Arbeits- und Energiekosten machen den Unternehmen
genauso zu schaffen wie China, das längst nicht mehr nur Kunde, sondern
auch harter Konkurrent geworden ist.
In der neuen Ausgabe von Das Politikteil diskutieren Ileana Grabitz und
Peter Dausend mit Michael Hüther, dem Direktor des Instituts der
deutschen Wirtschaft, darüber, ob die Schwarzseher dieses Mal recht
haben könnten – oder nicht. »Wir übertreiben, ohne die Brisanz zu
verkennen«, sagt Hüther dazu. Hüther erklärt, weshalb die Krise in der
Automobilindustrie zu voreilig als Bote des wirtschaftlichen Niedergangs
des Landes gedeutet wird, worin die (unfairen) Wettbewerbsvorteile eines
autoritär geführten Chinas liegen und warum die Fertigung von Panzern in
Zukunft die Herstellung von Autos nicht wird ersetzen können: »Die
Rüstung wird die Wirtschaft nicht retten.«
Der Bundesregierung wirft er vor, ihren Start vor knapp eineinhalb
Jahren »verschlafen« zu haben, lobt aber zugleich ihr jüngst vorgelegtes
Reformpaket als »Schritt in die richtige Richtung«. Man dürfe allerdings
auch nicht alle Heilung von der Politik erwarten, so Hüther.
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