Handelsbeziehungen zu China: »Wir waren nicht naiv. Wir waren unglaublich gierig.«
Durch ungleiche Wettbewerbsbedingungen verkauft China jeden Tag Waren
für eine Milliarde Euro mehr nach Europa als umgekehrt. Lange Zeit hat
die EU diese Entwicklung hingenommen, vor allem auf Drängen
Deutschlands, das seine Exporte ins Reich der Mitte nicht gefährden
wollte. Da aber Chinas Aufschwung zu einem immer größeren Verlust von
Industriearbeitsplätzen in Europa geführt hat, schalten die
Bundesregierung und die EU nun um: Aus dem Partner China wird zunehmend
der Rivale – der systemische Gegner ist das autoritär geführte Land
ohnehin. Der Kurswechsel birgt Risiken – aber auch Chancen.
In der neuen Ausgabe von »Das Politikteil« sprechen Ileana Grabitz und
Peter Dausend mit der Politikwissenschaftlerin und Sinologin Janka
Oertel über den drohenden Handelskrieg zwischen der EU und China –
diesmal im Rahmen der »Hamburger Woche der Pressefreiheit« vor
Live-Publikum. Oertel analysiert, warum eine härtere Gangart gegenüber
China nötig ist, und beschreibt, was im Dialog mit Peking zu kurz kommt:
»Wir reden kaum noch über Freiheitsrechte. Es scheint, wir hätten
aufgegeben, etwas zu verändern.«
Zur Pressefreiheit in China sei, so Oertel, nur wenig zu sagen –
schlicht, »weil es sie nicht gibt«. Dramatisch sei die Lage auch in
Hongkong, wo zahlreiche Journalisten und Menschenrechtsaktivisten
verhaftet und weggesperrt worden seien. Über Chinas langfristige
Strategie, die Weltmacht Nummer eins zu werden, meint sie: Niemand habe
zu diesem Ziel so viel beigetragen wie US-Präsident Donald Trump. Je
verhasster die USA in der Welt würden, desto populärer erschiene China.
Janka Oertel, Jahrgang 1983, ist in Kiel geboren und hat
Politikwissenschaft und Sinologie studiert. Sie hat für die Stiftung
Wissenschaft und Politik, die Körber-Stiftung und den Marshall Fund
gearbeitet, war Direktorin des Asienprogramms beim European Council on
Foreign Relations und ist heute dort »Distinguished Senior Policy
Fellow«. Sie hat zahlreiche Studien zum Verhältnis China – EU
veröffentlicht.
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